Uroonkologie

Therapie von urologischen Tumorerkrankungen

Die Uroonkologie gehört zu den langjährigen Schwerpunkten unserer Klink. Die Tumoren der Harnwege (Nieren, Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre), der männlichen Geschlechtsorgane (Prostata, Hoden) und der Nebenniere behandeln wir in allen Stadien umfassend. Nicht nur die operative Therapie, die wir in vielen Fällen minimalinvasiv durchführen, sondern auch die zur Therapie führende Diagnostik und eine möglicherweise notwendige medikamentöse Therapie gehört zu unserem Spektrum. Neben den klassischen Chemotherapien, die wir ambulant und stationär durchführen, führen wir moderne Immuntherapien und zielgerichtete Therapien (Targeted Therapies) anhand der neuesten Studienlage durch. So können wir eine multimodale Tumortherapie auf höchstem Niveau anbieten, die durch unser uroonkologisches Tumorboard und die enge Partnerschaft mit niedergelassenen Urologen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Hausärzten und Radiologen ergänzt wird.

  • Tumorerkrankungen der Harnblase

    Oberflächliche Harnblasentumore werden minimal-invasiv endoskopisch, also durch die Harnröhre entfernt. Hierbei verwenden wir regelmäßig die sogenannte photodynamische Diagnostik, bei der durch Anwendung von Markersubstanzen und speziellem Licht (Fluoreszenzlicht) die Erkennung kleiner oder flacher tumoröser Prozesse deutlich verbessert ist. Je nach Tumorstadium ist eine transurethrale Tumorresektion bereits alleinig ausreichend, manchmal wird sie nach einigen Wochen wiederholt, um Rest-Tumorzellen in der Harnblasenwand auszuschließen. Manchmal bieten sich in der Folge lokale Chemo- oder Immuntherapien an, bei denen Medikamente über einen Katheter in die Harnblase eingebracht werden, um das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Eine erste solche Gabe (Frühinstillation) findet oft schon am Tag der Operation oder am Folgetag hier statt und wird dann im Weiteren in Ihrer behandelnden urologischen Praxis fortgesetzt.

    Wenn sich eine Tumorerkrankung der Harnblase auch auf die tieferen Schichten der Harnblase ausdehnt, reichen Ausschabungen (Resektionen) in aller Regel nicht mehr aus. In einem solchen Fall muss meist die Harnblase entfernt werden. Studien und aktuelle Leitlinien empfehlen in bestimmten Situationen eine Chemotherapie vor einer solchen Operation. Ob dies in Ihrem Fall zutrifft, klären wir gerne in einem persönlichen Gespräch. Gleichzeitig mit der Harnblasenentfernung muss ein neuer Urinabfluss geschaffen werden. Hier bieten wir Ihnen das gesamte Repertoire der Möglichkeiten an. In den letzten Jahren hat sich sowohl für Männer als auch für Frauen die Schaffung einer Ersatzblase (Neoblase) aus Dünndarm als unsere Standard-Variante bewährt. Aber auch kontinente, jedoch nicht an die Harnröhre angeschlossene Ersatzblasen (Pouch), die dann z.B. über den Nabel katheterisiert werden, oder die seit Jahrzehnten bewährte Ableitung über ein Urostoma (Ileumconduit) ist möglich, letzteres insbesondere im Falle einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion. Mit dem Schwerpunkt des St. Hildegardis Krankenhauses als Klinik, die auch hochbetagte Patienten in hoher Frequenz konservativ wie operativ behandelt, sehen wir kaum rein altersgebundene Einschränkungen für diese krebsheilenden oder symptomlindernden Eingriffe, die wir auch schon bei Patienten deutlich über 80 Jahre erfolgreich angwandt haben. Wir beraten Sie in solchen Fällen gern individuell.

  • Tumorerkrankungen an Nieren, Nierenbecken und Harnleiter

    Bei der Behandlung von Nierenkrebs steht der Erhalt der Niere für uns an erster Stelle. Wurden noch vor wenigen Jahren im Falle von Nierentumoren, die größer als 4 Zentimeter waren, beinahe alle tumortragenden Nieren komplett entfernt (radikale Nephrektomie), so streben wir heute auch bei größeren und auf den ersten Blick ungünstig gelegenen Tumoren eine nierenerhaltende Tumorresektion an. Es hat sich gezeigt hat, dass die langfristige Prognose bezüglich der Krebserkrankung gleich ist, sich die verbesserte Nierenfunktion aber sehr positiv auswirkt. Wenn dennoch eine Nephrektomie absehbar erforderlich ist, so können wir diese auch minimal-invasiv, d.h. laparoskopisch durchführen.

    Tumoren des Nierenbeckens und der Harnleiter sind von der Tumorart her mit Blasentumoren identisch. Auch bei dieser Tumorentität streben wir, wenn möglich, einen Organerhalt an, nur noch in einem Teil der Fälle ist die früher fast immer durchgeführte Entfernung von Nieren mit Harnleiter (Nephroureterektomie) erforderlich.

     

  • Prostatakrebs

    Das Prostatakarzinom (Prostatakrebs) ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Trotz verschiedener Therapiansätze ist noch immer in vielen Fällen eine operative Entfernung der Prostata mit den regionalen Lymphknoten und den Samenbläschen eine wichtige Methode, um Heilung zu erreichen. Durch mikrochirurgischen Gefäß- und Nervenerhalt sind die postoperativen Einschränkungen bezüglich der Kontinenz und der Potenz inzwischen deutlich reduziert.

  • Tumorerkrankungen der männlichen Genitale

    Tumorerkrankungen der Hoden sind oft Zufallsbefunde oder werden von den Betroffenen selbst ertastet. Durch Ultraschall kann die Diagnose erhärtet werden. In aller Regel muss dann der tumortragende Hoden durch einen Leistenschnitt entfernt werden, damit man ein feingewebliches Ergebnis erhält und so den genauen Untertyp des Tumors feststellt. Auf Wunsch des Patienten kann bereits zu diesem Zeitpunkt eine Silikon-Hodenprothese eingesetzt werden.

    Bösartige Tumoren der Hoden treten häufig bei jungen Männern auf, haben aber bei konsequenter Therapie (häufig Operation und zusätzliche Chemotherapie) exzellente Langzeitprognosen. In manchen Fällen muss im Verlauf eine Entfernung von Lymphknoten im hinteren Bauchraum erfolgen, auch mit diesem operativen Eingriff haben wir große Erfahrung.

    Das Peniskarzinom ist ein seltener, aber gefährlicher Tumor, der bei Männern jeden Alters auftreten kann und bezüglich seiner Prognose von einer frühzeitigen, konsequenten Therapie profitiert. Wir behandeln in Frühstadien organerhaltend. In aktuellen Leitlinien wird eine Lymphknotenentfernung in der Leiste empfohlen; auch in diesem Bereich verfügt unsere Klinik über hohe Expertise.

     

  • Nebennierentumoren

    Die Nebenniere ist ein von der Niere funktionell unabhängiges Organ, das allerdings in enger Nachbarschaft zur Niere liegt. Nebennierentumoren gehören zu den häufigsten Tumoren überhaupt. Man geht davon aus, dass bis zu drei Prozent aller erwachsenen, "gesunden" Personen einen Tumor in der Nebenniere haben, wobei die Häufigkeit im Laufe des Alters zunimmt. Der Großteil dieser Nebennierenveränderungen ist klein, gutartig und nicht krankmachend. Die meisten Tumoren fallen zufällig im Rahmen einer Bildgebung (z.B. Ultraschall, Computertomographie, Kernspintomographie) aus anderen Gründen auf (sog. Inzidentalome, s.unten). Wenn der Tumor allerdings größer als 1 cm ist oder Beschwerden durch einen möglichen Hormonüberschuss bestehen, sollte eine entsprechende Abklärung durchgeführt werden. In der Regel erfolgt diese durch Analyse von Blutproben und Sammelurinproben. Folgende Tumoren können hier ggf. differenziert werden:
    -    Phäochromozytom
    -    Conn-Adenom (Primärer Hyperaldosteronismus)
    -    Cushing-Syndrom (Glukokortikoid-Überproduktion)
    -    Nebennierenkarzinom
    -    Inaktives Nebennierenadenom (Inzidentalom)
    -    Metastase (Tochtergeschwür) eines anderen Tumors
    Endokrin aktive oder bösartigen Tumore können eine operative Therapie erforderlich machen.