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Nebenschilddrüsenchirurgie

Operationen bei Erkrankungen der Nebenschilddrüsen

Was sind die Nebenschilddrüsen?

Die Nebenschilddrüsen sind kleine Drüsen, in denen das Hormon Parathormon produziert wird. Normalerweise liegen die nur etwa linsengroßen Drüsen direkt hinter der Schilddrüse im Hals. Bei etwa 10% der Menschen liegen sie allerdings weiter entfernt von der Schilddrüse und können bei evtl. Operationen nur sehr schwer zu finden sein. Etwa 90% der Menschen haben 4 Nebenschilddrüsen, 2 auf jeder Halsseite. Manche Menschen haben von Geburt an mehr oder weniger. Das Nebenschilddrüsenhormon (Fachbegriff Parathormon), spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Kaliumhaushaltes. Sind die Nebenschilddrüsen erkrankt, ist allerdings nicht nur der Kalziumstoffwechsel gestört. Dies kann zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen und Symptomen führen. Die Nebenschilddrüsen können sowohl an einer Überfunktion (Hyperparathyreoidismus) als auch einer Unterfunktion (Hypoparathyreoidismus) leiden, also entweder zu viel oder zu wenig Parathormon produzieren. 

Überfunktion der Nebenschilddrüsen: Hyerparathyreoidismus

Bei einer Überfunktion produzieren die Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon, dadurch ist der Kalziumspiegel erhöht. Viele Betroffene haben zunächst keine Beschwerden, so dass die Überfunktion der Nebenschilddrüsen meist erst durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen wird. 
Mögliche Symptome einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) sind: 

  • Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsprobleme
  • depressive Verstimmung
  • Muskelschwäche
  • Verstopfung
  • vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen
  • Bauchschmerzen, Übelkeit
  • Schmerzen in den Knochen und eine erhöhte Knochenbruchgefahr
  • Nierensteine

Je nach Ursache der Erkrankung wird zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Hyperparathyreoidismus unterschieden:

  • Primärer Hyperparathyreoidismus
    Bei einer primären Überfunktion liegt die Ursache der Erkrankung in den Nebenschilddrüsen selbst. Meist handelt sich dabei um ein isoliertes gutartiges Nebenschilddrüsenadenom. Selten gibt es gleich mehrere davon. Das sind gutartige Drüsenwucherungen, die unkontrollierbar zu viel Parathormon produzieren. Bösartige Wucherungen (Nebenschilddrüsenkarzinome) kommen vor, sind aber sehr selten.
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus
    Der sekundäre Hyperparathyreoidismus entsteht durch die dauerhafte Anregung der Nebenschilddrüsen durch eine andere Erkrankung, beispielsweise durch chronische Nierenerkrankungen oder Vitamin D-Mangel. Dann sind alle Nebenschilddrüsen betroffen und produzieren zu viel Parathormon (Nebenschilddrüsenhyperplasie).
  • Tertiärer Hyperparathyreoidismus 
    Nach einem lange bestehenden sekundärem Hyperparathyreoidismus kann sich in einer der hyperplastischen Nebenschilddrüsen zusätzlich ein eigenständiges Nebenschilddrüsenhormon entwickeln.

Behandlung bei Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)

Die Therapie bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse richtet sich nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung:

  • Beim primären Hyperparathyreoidismus ist die operative Entfernung der überaktiven Nebenschilddrüse Therapie der Wahl. Steht die Diagnose, sollte nicht zu lange gewartet, damit es erst gar nicht zum Knochenschwund, spontanen Knochenbrüchen oder zu Nierensteinen kommt.
  • Beim sekundären Hyperparathyreoidismus sollte nach Möglichkeit zunächst die Ursache der Überfunktion behandelt und beseitigt werden (Ausgleich des Vitamin-D-Mangels, Behandlung der Nierenerkrankung). Gelingt dies nicht im ausreichenden Maß, kann versucht werden, den Parathormonspiegel im Blut mit speziellen Medikamenten zu senken. Führt dies nicht zu einem ausreichenden Ergebnis, bleibt nur die komplette oder fast komplette Entfernung aller überfunktionierenden Nebenschilddrüsen. 
     

Operationen an den Nebenschilddrüsen

Operationen an den Nebenschilddrüsen erfordern wegen der engen anatomischen Lage zu den Stimmbandnerven, der häufigen anatomischen Lagevarianten und der unterschiedlichen Krankheitsbilder extrem viel Erfahrung. Solche Operationen sollten daher nur von Chirurgen durchgeführt werden, die über eine hohe Kompetenz in der Nebenschilddrüsenchirurgie verfügen.
Je nachdem, wie viele Nebenschilddrüsen erkrankt sind, muss mehr oder weniger Gewebe entfernt werden:

Erkrankung nur einer Nebenschilddrüse (solitäres Nebenschilddrüsenadenom)
Beim primären Hyperparathyreoidismus ist in über 90 Prozent der Fälle nur eine Drüse erkrankt (solitäres Nebenschilddrüsenadenom). Dann muss auch nur diese krankhafte Drüse entfernt werden (Adenomexstirpation). Die verbleibenden gesunden Drüsen übernehmen nach einer kurzen Erholungsphase die komplette Funktion, sodass keine dauerhaften Nachteile durch die operative Entfernung einer Nebenschilddrüse entstehen. Ergibt sich bei der präoperativen Diagnostik bereits ein Hinweis auf die Lage des Nebenschilddrüsenadenoms, kann dieses häufig ganz gezielt in minimal-invasiver Technik entfernt werden.

Erkrankung mehrerer bis aller Nebenschilddrüsen
Beim sekundären und tertiären Hyperparathyreoidismus sind in der Regel alle Nebenschilddrüsen erkrankt. Zur definitiven Heilung der Überfunktion müsste im Prinzip alles krankhafte Nebenschilddrüsengewebe entfernt werden. Eine Entfernung aller Nebenschilddrüsen würde allerdings zu einem dauerhaften Mangel an Parathormon (Hypoparathyreoidismus) und zu einem Abfall der Calciumkonzentration im Blut führen. In der Folge können Missempfindungen, Kribbelgefühle, Muskelkrämpfe und andere Symptome auftreten. Zur Vermeidung von Mangelzuständen sollte daher bei einer Operation nach Möglichkeit ausreichend funktionstüchtiges Nebenschilddrüsengewebe erhalten werden. Das geschieht entweder dadurch, dass ein kleiner Teil einer Nebenschilddrüse am Hals verbleibt oder an anderer Stelle in eine kleine gut durchblutete Muskeltasche replantiert wird. 

Unterfunktion der Nebenschilddrüsen: Hypoparathyreoidusmus

Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidusmus) bilden diese zu wenig Parathormon, in der Folge sinkt der Kalziumspiegel im Blut ab. Ursachen können Operationen im Halsbereich, beispielsweise an der Schilddrüse, Autoimmunerkrankungen und seltener angeborene Störungen oder durch Bestrahlung bedingte Schädigungen sein. 

Symptome einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidusmus) können sein: 

  • Kribbeln an den Fingern, den Zehen und im Mund
  • Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen
  • Innere Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • in schweren Fällen: Verkrampfungen der Hände oder Füße, Krampfanfälle und Herzrhythmusstörungen
  • bei länger bestehendem Kalziummangel: trockene Haut, brüchige Nägel, Augenprobleme 

Behandlung bei Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus)

Die Standardbehandlung besteht zunächst in einer ausreichenden Aufnahme von Kalzium über die Ernährung oder durch Nahrungsergänzungsmittel in Kombination mit einer medikamentösen Vitamin D- Gabe. Führt dies nicht zu einer zufriedenstellenden Einstellung steht synthetisches Parathormon zur Verfügung, dass allerdings täglich gespritzt werden muss.

 

Kompetenzzentrum Schilddrüsenchirurgie Köln

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